Mautdebakel, Dank den Dilettanten

 

Mehr Schein als Sein

Maut für Ausländer oder kleinkarierter

Provinzdünkel

Ein dummes, unbesonnenes Wahlversprechen der CSU aus dem Jahr 2013 an die rechte Klientel ihrer Urnengänger. Wahlkampf unter völliger Missachtung marginal vorhandenen Resten von Sinn und Verstand. Eine Praktik, tief verwurzelt in den Analen politischer Parteien, die seit jeher mit Vorliebe im intellektuellen Trübsinn fischen, die das Gewissen weißblauer Provinzpolitikern nicht über Gebühr belasten dürfte. Bierzeltdemagogen einer Partei, die fast 30 Jahre nach dem Ableben ihres Übervaters, sich weiter unverdrossen in dessen geistigem Erbe suhlen. „Dem Volk aufs Maul schauen“ analog bedeutet das nicht weniger wie „dem Volk nach dem Maul reden und handeln“. Eine Bauernfängerei der Populisten dieser Welt und so unverschämt erfolgreich.

Zieht man die nüchternen Fakten dagegen ins Kalkül so stellt sich die Frage: wer braucht in diesem Land eine Maut für durchreisende Ausländer, die sich größtenteils aus Bürger der Europäischen Union zusammensetzen dürften? Verärgerte bayrische Pendler oder Kurzurlauber die in Österreich, Italien, sich die Kosten ihrer Pickerl, Vignetten und Bons zusammenrechnen und die Verursacher selbiger deftig verfluchen. Spielen da etwa schäbige Vergeltungs- oder Rachegedanken eine kleinkarierte, beschämende Rolle?

Solche Unterstellungen werden empört zurückgewiesen. Die Befürworter argumentieren mit dem Einwand der Gerechtigkeit für alle. Ein unüberlegter Einwand, denn würde dieser konsequent interpretiert fände der Disput hier ein Ende. Ja, wir führen eine Autobahnmaut ein, eine Maut für alle, so wie unsere Nachbarn als Vollzahler in das jeweilige Mautsystem eingebunden sind, so werden auch wir als Vollzahler eingebunden. Das ist gerecht und konform mit europäischem Recht. Ende der Diskussion. Nein das wollen sie auch nicht, also doch ein kaschierter Stimmenfang beim bildungsfernen rechtslastigem Wahlvolk. Ist diese Klientel ein Diktat, der stärksten Wirtschaftsmacht der EU auf Biegen und Brechen wert?

Ökonomisch liegt keine rationale Erklärung vor, warum ein immenser Bürokratie-Aufwand in Gang gesetzt werden soll, einschließlich Erhebung und Rückerstattung der Maut für Inländer, um am Ende ein Aufkommen zu generieren, das die halbe Milliarde Euro nicht nennenswert überschreiten wird, wenn dieser Betrag überhaupt erreicht wird. Zweifel kommen aus allen Ecken, auch der Bundesrechnungshof sieht die Kosten- Nutzenrechnung der Mauterhebung kritisch. Die Einnahmeprognosen sind mit erheblichen Risiken verbunden, der Aufwand für die Administration der Mauterhebung liegt in einem zum Erlös kritischen Bereich.

Nun hat der politische Dilettantismus der bayrischen „Mautler“ die ganze Republik in eine Zwickmühle gebracht. Zur Stützung des großspurigen Versprechens, dass deutsche Autofahrer nicht zusätzlich zur Kasse gebeten würden, wurde dem Vorhaben eine Kfz-Steuerreform vorgestellt, die Mindereinnahmen von rund 3,7 Milliarden Euro generiert. Kippt die Maut letztendlich durch den Europäischen Gerichtshof… eine teure Blamage! Wo und wie bringt dann die menschgewordene schwarze Null diesen Betrag wieder in den Bundeshaushalt? Noch verneinen die Initiatoren dieses dämlichen Vorhabens die Option, aus der Maut für Ausländer eine Maut für alle zu machen, die auch deutsche Autofahrer zusätzlich belastet, doch wie heißt es so treffend: „In der Not frisst der Teufel auch Fliegen“. „Zum größten Profiteur dieses fragwürdigen Vorhabens, sollte es denn je realisiert werden, wird die CSU. Sie zeigt, wie man mit reiner Symbolpolitik europäisches Recht beugt. Zum größten Verlierer werden auf lange Sicht die Autofahrer in Deutschland. Denn ist eine Maut, eine Abgabe (sh. Soli) einmal installiert, wird der ewig klamme Gesetzgeber diese Einnahmequelle kaum versiegen lassen. Das Versprechen, niemanden stärker zu belasten als vorher, eine Phrase die sich nicht lange halten wird.“

Eine alles in allem, schon bei nationaler Betrachtungsweise, anrüchige Absicht, eine verheerende aus europäischer Sicht. Unsere Nachbarn verbünden sich in der Ablehnung gegen die geplante Pkw-Maut und schmieden bereits eine Allianz. Das ist genau das, was wir in einem krisengeschüttelten Europa noch brauchen. Neben Brexit, Wilders, Marie Le Penn, Orban und sonstigen Brandstiftern noch die bayrische CSU. Es sollte auch nach siebzig Jahren friedlicher Koexistenz der Europäischen Staaten noch ein Rest Erinnerung an die Vergangenheit verblieben sein. Auch die einfältigsten Denkstrukturen, meine Damen und Herren Repräsentanten- und innen volks(d)tümmlicher Ideologien, sollten dazu imstande sein. Die europäische Idee ist das Beste was in den Köpfen dieser Völker je gedieh, Nationalstolz das Dümmste und Verderblichste mit Millionen von Toten und unsäglichem Leid. Es gibt bestimmt viele Dinge, die in dieser Europäischen Union nicht zum Besten stehen, die einer Konfrontation unterschiedlicher Standpunkte wert sind. Die es wert sind im Sinne des Bestandes und der Zukunft dieser Union und ihrer Menschen, dazu gehört aber sicher nicht eine Maut oder Infrastrukturabgabe für ein nationales Straßennetz und schon gar nicht für das des reichsten Mitgliedes und größten wirtschaftlichen Profiteurs dieser Union.

(Ein Denkanstoß: Bietet ein sogenannter Freistaat nicht noch eine Vielzahl von Optionen wie, eigene Grenzkontrollen, Kündigung des Länderfinanzausgleichs und und……Gott mit dir, du Land der Bayern!)

Klaus Schneider 03.02.2017

 

 

Hypothesen zum Populismus

Populismus

Einfältige Antworten auf einen komplizierten Sachverhalt – eine einfache, „populistische“ Definition von Populismus.

Populismus steht für eine Anbiederung an eine Gesellschaftsschicht:

  • die die Gegenwart nicht versteht
  • die Angst vor der Zukunft hat
  • und die die Vergangenheit verklärt.

Populismus steht für Rückschritt in Denk- und Verhaltensmuster, die keinen adäquaten Bezug mehr zu dem aktuellen Entwicklungsstand der Gegenwart aufweist. Populismus ist ein imaginäres Bollwerk für denkfaule, mit bescheidenem Intellekt versehene Verweigerer ihrer Zeit. Willkürlich koalierende Risikogruppen, die keine tragfähigen, realisierbaren Problemlösungen suchen, die nur die naive Ablehnung eines misslichen Umstandes eint. Menschen, die im Schutz der Anonymität eines Pulks von Gleichgesinnten ihren kümmerlichen Rest an Integrität, an Stolz und Würde den Verkündern dummsinniger Ideologien zu Füßen legen.

Warum nimmt diese Unsitte gerade wieder in Zeiten zu, wo es doch den meisten an der materiellen Grundsicherung ihrer Existenz nicht mangelt? Wo sie ideelle persönliche Freiheiten genießen, wie sie noch nie auf diesem Kontinent existierten. Warum wehren sich diese Menschen nicht gegen die sicherlich vorhandenen Missstände mit den Freiheiten, die sie ohne Sinn und Verstand aufzugeben bereit wären, um das gleiche Ziel zu erreichen?

Das Problem stellt der, mit dem Hier und Heute hoffnungslos überforderte Mensch dieser Zeit dar. Diese Kreatur, die in den vielfältigen, sich seinem Verständnis verschließenden Entwicklungen, jede Orientierung zu verlieren scheint. Keinen geistigen Platz in der Gegenwart, von der Zukunft ganz zu schweigen. Welche Zeitform bleibt ihnen, in der sie eine, für sie plausibel Welt finden, wiederfinden? Da bleibt nur die wohlig, muffelnde Vergangenheit, die, mit Verlaub, die meisten zwar auch nicht zur Gänze begriffen, aber welche Illusion wird schon grundlos gemeuchelt. So wird sich unter den Anhängern populistischer Ideologen die Generation sechzig plus gut repräsentiert wiederfinden. Das Brexit- Referendum getragen von alten Briten, die Fangemeinde der AfD, die von Marine Le Pen und Donald Trump wäre, ohne die geistigen Greise kaum zu bemerken.

Eine Isolation, gesellschaftliche Exkommunikation von Populisten, den Agitatoren per se, stellt keine brauchbare Option zur Lösung des Problems dar. Die Meinungsfreiheit ist ein konstitutives Recht einer offenen, demokratischen Gesellschaft. Sie ist nicht an vorherrschende politisch konforme Meinungen oder gesellschaftliche Moralitäten gebunden. Klare Aussagen, die darauf hinweisen würden, dass populistische Doktrinen dieses Recht infrage stellen würden, werden kaum in entsprechenden Parteiprogrammen zu finden sein. Populismus ist ein Fragment des demokratischen Systems, unter dessen Protektion sich gedeihlich leben lässt. Ein böser Mensch, dem bei diesen Gedanken der Begriff „Schmarotzer“ in den Sinn kommt.

Ist der Populismus per se eine Gefahr für demokratische Systeme? Ja, wenn die demokratischen Systeme von ihren politischen Mandatsträgern nachhaltig ramponiert werden. Wenn die unverbrüchlichen Werte, die seit der Französischen Revolution demokratische Systeme klar definieren – Freiheit – Gleichheit – Brüderlichkeit (Miteinander) kontinuierlich an Substanz verlieren. Was für eine Rolle spielt es dann noch, welche politische Grundsätze ein Herrschaftssystem kennzeichnen? Das ist der Scheitelpunkt, an dem ein so geschwächtes System, auch für weitgehend sinn- und substanzlosen Populismus, zur möglichen Beute wird.

Eine treffende Einschätzung von Anton Tschechow (1860-1904) über die Einstellung seiner Landsleute zu ihrer Geschichte, die mit geringer Modifikation zur „Internationale der Populisten aller Länder“ werden könnte: „Die Russen vergöttern die Vergangenheit, hassen die Gegenwart und fürchten die Zukunft.“ Klaus Schneider Januar 2017

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Toleranz – Akzeptanz

Toleranz

Toleranz, ein Begriff, entlehnt aus dem lateinischen tolerare, was so viel bedeutet wie „erdulden, ertragen“ – und wird als Duldung konträrer Lebensführung, ideologischer Ausrichtung zu der des Tolerierenden gesehen.
Die Idee der Toleranz findet sich, allerdings ohne beständigen Wert in Rechtslehre, der politischen Theorie, der Soziologie und der Ethik. Sie soll den Umgang und Regulierung von Konflikten in sozialen Systemen ermöglichen. Sie ist der kleinstmögliche Nenner bei Kontroversen, ohne den Einsatz von Gewalt jeglicher Art.
Der Gegensatz zu Toleranz ist die Intoleranz, – „Unduldsamkeit“, aus dem französischen „intolérance“ übernommen.
Akzeptanz steht für die Steigerung von Toleranz. Sie bezeichnet eine bejahende, anerkennende Haltung eines Individuums zu gegensätzlichen Weltbildern und Gesinnungen.

Allgemeine Prinzipien der Toleranz

Erklärung von Prinzipien der Toleranz:
Diese Erklärung von Prinzipien der Toleranz wurde auf der 28. Generalkonferenz (Paris, 25. Oktober bis 16. November 1995) von den Mitgliedstaaten der UNESCO verabschiedet.
Entschlossen, alle positiven Schritte zu unternehmen, die notwendig sind, um den Gedanken der Toleranz in unseren Gesellschaften zu verbreiten – denn Toleranz ist nicht nur ein hochgeschätztes Prinzip, sondern eine notwendige Voraussetzung für den Frieden und für die wirtschaftliche und soziale Entwicklung aller Völker, erklären wir:

Artikel 1: Bedeutung von ‚Toleranz‘

1.1 Toleranz bedeutet Respekt, Akzeptanz und Anerkennung der Kulturen unserer Welt, unserer Ausdrucksformen und Gestaltungsweisen unseres Menschseins in all ihrem Reichtum und ihrer Vielfalt. Gefördert wird sie durch Wissen, Offenheit, Kommunikation und durch Freiheit des Denkens, der Gewissensentscheidung und des Glaubens. Toleranz ist Harmonie über Unterschiede hinweg. Sie ist nicht nur moralische Verpflichtung, sondern auch eine politische und rechtliche Notwendigkeit. Toleranz ist eine Tugend, die den Frieden ermöglicht, und trägt dazu bei, den Kult des Krieges durch eine Kultur des Friedens zu überwinden.

1.2 Toleranz ist nicht gleichbedeutend mit Nachgeben, Herablassung oder Nachsicht. Toleranz ist vor allem eine aktive Einstellung*, die sich stützt auf die Anerkennung der allgemeingültigen Menschenrechte und Grundfreiheiten anderer. Keinesfalls darf sie dazu missbraucht werden, irgendwelche Einschränkungen dieser Grundwerte zu rechtfertigen. Toleranz muss geübt werden von einzelnen, von Gruppen und von Staaten.

1.3 Toleranz ist der Schlussstein, der die Menschenrechte, den Pluralismus (auch den kulturellen Pluralismus), die Demokratie und den Rechtsstaat zusammenhält. Sie schließt die Zurückweisung jeglichen Dogmatismus und Absolutismus ein und bekräftigt die in den internationalen Menschenrechtsdokumenten formulierten Normen.

*Toleranz als aktive Einstellung zu bezeichnen ist strittig, passive Duldung unterstreicht mehr die Charakteristik von Toleranz

 1.4 In Übereinstimmung mit der Achtung der Menschenrechte bedeutet praktizierte Toleranz weder das Tolerieren sozialen Unrechts noch die Aufgabe oder Schwächung der eigenen Überzeugungen. Sie bedeutet für jeden einzelnen Freiheit der Wahl seiner Überzeugungen, aber gleichzeitig auch Anerkennung der gleichen Wahlfreiheit für die anderen. Toleranz bedeutet die Anerkennung der Tatsache, dass alle Menschen, natürlich mit allen Unterschieden ihrer Erscheinungsform, Situation, Sprache, Verhaltensweisen und Werte, das Recht haben, in Frieden zu leben und so zu bleiben, wie sie sind. Dazu gehört auch, dass die eigenen Ansichten anderen nicht aufgezwungen werden dürfen.

Eine gute und umfassende Formulierung der Prinzipien von Toleranz. Die besondere Bedeutung des Absatzes 1.4, soll noch durch eine philosophische Aussage unterstrichen werden:

Der Philosoph Karl Popper über Toleranz:
Weniger bekannt ist das – Paradox der Toleranz: „Uneingeschränkte Toleranz führt mit Notwendigkeit zum Verschwinden der Toleranz.“ Denn wenn wir die unbeschränkte Toleranz sogar auf die Intoleranten ausdehnen, wenn wir nicht bereit sind, eine tolerante Gesellschaftsordnung gegen die Angriffe der Intoleranz zu verteidigen, dann werden die Toleranten vernichtet werden und die Toleranz mit ihnen.
Wir sollten daher im Namen der Toleranz das Recht für uns in Anspruch nehmen, die Unduldsamen nicht zu dulden. Wir sollten geltend machen, dass sich jede Bewegung, die Intoleranz predigt, außerhalb des Gesetzes stellt, und wir sollten eine Aufforderung zur Intoleranz und Verfolgung als ebenso verbrecherisch behandeln wie eine Aufforderung zum Mord, zum Raub oder zur Wiedereinführung des Sklavenhandels.

Mit konsequenter Intoleranz gegen die Intoleranz.
Diese Forderung gilt uneingeschränkt für alle Intoleranz der Religionen, der Ideologien, Gebote und Verbote, Meinungen und Ansichten. Toleranz wird von all denen, die damit keine Wertvorstellung verbinden, als Schwäche ausgelegt. Für solche, oft einfach strukturierte Ideologien, ist die Toleranz nicht wehrhaft genug um sie zu akzeptieren. Sie nützen die Toleranz der Anderen, um sich zu etablieren, dann hat sie ihre Schuldigkeit getan und wird entbehrlich, gar gefährlich. Wenn sich eine offene Gesellschaft ihre Freiheiten erhalten will, ist sie zumindest von der Toleranz, besser von der Akzeptanz als Fundament ihrer Werte abhängig.
Diese Forderung ist nicht verhandelbar und sollte bei allem Verständnis für die Belange Andersdenkender, höchste Priorität genießen.

Akzeptanz

Akzeptanz, lat. „accipere“ – gutheißen, annehmen, billigen bezieht sich auf das Verb akzeptieren, d. h. anerkennen, einwilligen, annehmen, mit etwas oder jemanden einverstanden sein, es zu akzeptieren. Akzeptanz setzt Freiwilligkeit voraus. Sie besteht aus einem aktiven Element, im Gegensatz zu der im Begriff der Toleranz beschriebenen, passiven Duldung. Akzeptanz das ist ein anerkennendes Werturteil und bildet den Gegensatz zur Aversion – Ablehnung. Akzeptanz bezeichnet die Zustimmung zu einer objektbezogenen Eigenschaft eines Umstandes. Dies setzt eine bewusste oder auch unbewusste Bewertung durch subjektive Wertmaßstäbe voraus. Akzeptanz ist ein subjektbezogener Begriff, sie ist an die akzeptierende Person (Subjekt) gebunden. Diese bewertet Situationen oder Gegebenheiten nach ihren Wertmaßstäben. Das sind in der Regel solche, die sie selbst als maßgeblich und bindend für ihre Handlungen anerkennt, die sie auch für sich selbst als relevant und gültig für ihre Handlungen voraussetzt. Diese Methode fordert und setzt eine freie Willensentscheidung voraus, sonst besitzt Akzeptanz keine stabile Struktur und wäre mit dieser Charakteristik besser mit Toleranz bzw. Duldung zu beschreiben

Toleranz vs. Akzeptanz

Toleranz ist eine aus praktischer Vernunft abgeleitete ethische Haltung. Sie beurteilt Umstände nach den Kriterien für humanes Denken und Handeln. Diese Kriterien sind allerdings nicht sehr stabil, es sind im Zweifelsfall immer die Kriterien der Anderen. Soweit die Toleranz einer „Sache“, dem Tolerierenden keine signifikanten Nachteile bringt, weder direkt noch indirekt, sie sich ihm nicht intellektuell verschließt, mangels eigener Position keiner abträglichen ideologischen Propaganda verfällt, ist sie durchaus ein praktisches Attribut menschlichen Verhaltens. Nur sollte Toleranz nicht überschätzt werden, sie weist oft ein sehr kurzfristiges Verfallsdatum auf. Die Objekte der Toleranz sind austauschbar und müssen nicht unbedingt miteinander in logischer Verbindung stehen. Ein Zuviel an Toleranzobjekten führt zu einer Orientierungslosigkeit und dem Abbau der Bereitschaft zur Toleranz.

Dagegen steht die Akzeptanz als stabile Struktur auf einer relativ sicheren, individuellen Wertebasis. Ist eine Sache oder Sachlage akzeptiert, so wird sie in ein Wertesystem eingebunden und somit eine Komponente des geistigen Potenzials einer Person. Akzeptanz beruht auf Freiwilligkeit, die aus Überzeugung entsteht, sie kann keine Forderung, so wie die nach Toleranz, sein. Sie setzt eine geistige Überzeugung voraus, keinen Zwang, keine Indoktrination. Akzeptanz ist ungleich schwerer als Toleranz zu erreichen, sie steht aber in der Wertigkeit über dieser.

Klaus Schneider Januar 2017

 

 

 

 

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Wie aktuell ist Anstand?

 

Wie aktuell ist Anstand?

Was ist Anstand?

Anstand ist ein Kriterium für den ethisch-moralischen Anspruch und die Erwartung an ein gutes oder richtiges Verhalten. Anstand ist das nach außen sichtbare Benehmen und von keiner spezifischen Moral abhängig. Der Anstand bestimmt die Umgangsformen und die Lebensart, er entscheidet in hohem Maß über die Qualität zwischenmenschlicher Beziehungen, im Kleinen wie im Großen.

Lässt man die angestaubten Begriffe wie, schickliches Benehmen, gute Sitte, Sittsamkeit und Tugendhaftigkeit einmal außer Acht, so verbleibt im Repertoire bewährter gesellschaftlicher Umgangsformen noch genügend Potenzial, dem Niveau des Miteinanders in eine verträglichere Form zu geben. Denn was sollte an den verbleibenden Ansprüchen wie – gutes Benehmen – Takt – Toleranz – Feingefühl – Hilfsbereitschaft – Höflichkeit – Korrektheit -Respekt  in der Gegenwart und der Zukunft entbehrlich werden ohne dass das Niveau noch weiter sinkt?
Es ist schon beschämend anzusehen, wie sich, nach ihrem Lebensalter, erwachsene Menschen, in Talkshows blamable Blößen geben. Es stellt sich die Frage, in welcher Periode, zwischen Kindergarten und ihrem aktuellen Status, der Reifungsprozess dieser Menschen stagnierte? Die creme de la creme aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft prostituiert sich zu oft ohne jeden „Anstand“ bei jeder sich bietenden Gelegenheit – mediale Präsenz um jeden Preis! Geifernde Schwätzer, ohne Stil, ohne Respekt, ohne Charisma, dafür mit einer auffällig haltlosen Klappe. Um wie viel besser würden sich solche Auftritte mit etwas Feingefühl, Takt, Höflichkeit, Respekt präsentieren!

Verliert Anstand seinen ideellen Wert für die Gesellschaft  

Nein,denn das wäre ein irreparabler Verlust an Lebensqualität. Es ist nur mehr an Substanz, an charakterlicher Qualität und mehr Intellekt notwendig:

  • Um seine Person, seine Meinung mit Anstand zu repräsentieren.
  • Den Mitmenschen mit Respekt und Höflichkeit zu begegnen, sei es ein Obdachloser, eine Toilettenfrau, ein Fremder, ein Andersdenkender oder Kinder und Alte.
  • Gegensätzliche Meinungen oder Lebensphilosophien als gutes Recht der Anderen zu tolerieren, besser noch, zu akzeptieren.
  • Sich korrekt an Regeln, Gebote oder Verbote zu halten, die ein verträgliches Miteinander erst ermöglichen, die substanziell eine Gemeinschaft erträglich gestalten.

Das Maß an Anstand formt die Qualität zwischenmenschlicher Beziehungen

Klaus Schneider Januar 2017

Ist Moral moralisch

Steht Moral eine pauschale Verbindlichkeit zu?

Was ist Moral

Normensysteme, die das angemessene Handeln und Verhalten von vernunftbegabten Lebewesen festlegen, werden generell als Moral, bzw. Moralen bezeichnet. Diese Regel- und Wertesysteme konstituieren sich aus historisch- kultureller und religiöser Erfahrung. Sie werden in einer Gesellschaft als allgemein gültiger Verhaltensmaßstab verstanden.  ( Sittlichkeit ist die veraltete Form von Moral) Diese, überwiegend konservativ geprägten Normen fordern, allein aufgrund ihrer Existenz, eine pauschale Verbindlichkeit ein.

 

Wo hat Moral ihren Ursprung?

Moral entsteht und entwickelt sich in und aus einem homogenen Kulturkreis.  Sie ist spezifisch und fasst die Summe der Werte und Vorstellungen zusammen, die in der Stammesgeschichte für richtig empfunden wurden, ohne dafür weitere Gründe angeben zu können. Moral unterscheidet sich von Weltregion zu Weltregion, von Nation zu Nation, von Zeitalter zu Zeitalter, zum Teil recht erheblich.Moral ist mehr oder weniger ein diffuses Empfinden, ständiger Manipulation ideologischer oder wirtschaftlicher Interessen ausgesetzt. Moral mit einem Ideal einer höchsten Instanz gleichzusetzen.

Besitzt Moral eine Moral?

Nein! Moral ist nicht moralisch, sie orientiert sich  an Machtinteressen. Moral ist ein subjektives Werturteil, sie bewertet Handlungen, Verhalten – was ist gut, was ist böse.
Wer legte solche Werte fest?
Jede Gesellschaftsschicht nach Ihren Interessen!

Nach Nietzsche definieren privilegierte Gesellschaftsschichten ihre eigenen Handlungen als „gut“ im Sinne von „edel“, „vornehm“, „mächtig“, „glücklich“ etc. Dagegen schätzen diese „Schichten“ die Handlungen der anderen, niedrigeren Menschen als „schlecht“ im Sinne von „schlicht“, „(all)gemein“, „unvornehm“ ab, ohne ihnen daraus einen Vorwurf zu machen.
Umgekehrt geht die Wertung der Unterprivilegierten, Niedrigen, Armen, Kranken, der „Sklaven“ vor: Ihre Empfindung beruht auf Ressentiment, sie schätzen zuerst die anderen als die „Bösen“, den „bösen Feind“ ab. Sich selbst definieren sie erst danach als die „Guten“ eben im Gegensatz zu jenen Bösen – das heißt, sie selbst sind „gut“, weil sie nicht „böse“ sind, ihr Begriff von „Gut“ ist reaktiv statt aktiv wie bei den Vornehmen und beruht auf einer Wertumkehr.

So war es zu allen Zeiten, in der Menschen lebten, früher, wie in der Gegenwart und der Zukunft. Nicht das Gute an sich,  sondern die Herkunft, der Ursprung des moralischen Urteils, bestimmen die Qualität der Moral.

Fazit: Moral steht keine pauschale Verbindlichkeit zu!

Es ist eine Kritik der moralischen Werte dringend nötig, die Qualität dieser Werte sollte einer kritischen Analyse unterzogen werden – Eine Forderung an den menschlichen Intellekt.

Klaus Schneider Januar 2017