Wert der Vernunft.

 

Die menschliche Gemeinschaft zeigte einen eklatanten Makel auf, sie verführt die Menschen zu einer kritikreduzierten bis kritiklosen Opportunität, die im schlimmsten Fall in einem dümmlichen Stumpfsinn wider eigenen geistigen Interessen endet. Widersprüchlich dazu steht der kompromisslose Narzissmus, wenn Leib und Leben, dem persönlichen Wohlbefinden, seiner körperlichen Unversehrtheit oder in größerem Maß, einer möglichst langen Verweildauer der irdischen Existenz Gefahr droht. Die Menschen wissen letzten Endes weder was sie wollen, noch was sie tun. Vernunft, per definitionem, besitzt keinen allgemeingültigen, moralischen Stellenwert. Vernunft definiert sich im pragmatischen Handeln und ist durch keinen implizierten Anstand oder Moral gekennzeichnet. Sie realisiert sich aus den Eigeninteressen des Individuums.

Klaus Schneider Februar 2019

Anstand – Indiz für die Qualität einer Gesellschaft

Anstand wird als ein selbstverständlich empfundener Maßstab für den Anspruch und die Erwartung an ein verträgliches soziales Verhalten bezeichnet. Anstand bestimmt die Umgangsformen, das Miteinander, die Lebensart und damit die Qualität einer Gesellschaft.
Umgangsformen gestalten die soziale Interaktion innerhalb der Gesellschaft. Während sogenannte „gute Umgangsformen“ als selbstverständlich vorausgesetzt und meist kommentarlos positiv bewertet werden, erregen negative Verhaltensformen (Angeberei, unhöfliches Verhalten, Pöbeleien in verbaler und nonverbaler Form usw.) den Missmut der Betroffenen. Die soziale Interaktion gestaltet das menschliche Miteinander, das gegenseitige Handeln (oder Beeinflussen) von Personen (oder Gruppen), also das Geschehen zwischen Menschen, die aufeinander reagieren, miteinander umgehen, einander beeinflussen, also miteinander leben müssen.
Anstand ist ganz sicher kein Auslaufmodell aus historischen Zeiten. Anstand ist topaktuell, denn er legt die Form, das Niveau des Miteinander fest und bestimmt damit die Lebensqualität eines jedes Menschen. Anstand ist vor allem Respekt – Respekt vor der Würde des Anderen. Diese Würde, die jeder vehement für sich in Anspruch nimmt, mit gutem Recht, ist aber universell, der Andere besitzt den gleichen Anspruch auf Respekt, auf die Unverletzlichkeit seiner Würde. Dies gilt ohne Unterscheidung gesellschaftlicher oder familiärer Stellung, Rang und Namen von Personen. Anstand und Respekt sind ein Naturrecht, dieser Anspruch ist unveräußerlich. Menschen mit Charakter und Niveau, gleich welcher Abstammung und Herkunft, wissen und leben das, es ist ein Teil ihres Wesens. Die Anderen, mögen sie sich noch so cool finden,bilden lediglich den trüben Bodensatz einer Gesellschaft, Sozialschmarotzer – im reinsten Sinn dieser abgedroschenen Phrase – sie profitieren vom Anstand, dem positiven Wirken der Anderen auf und in der Gesellschaft.

Nachsatz- Zitat
Adolph Friedrich Ludwig Freiherr von Knigge (1752–1796)
Schreibe nicht auf Deine Rechnung das, wovon andern das Verdienst gebührt! Wenn man Dir, aus Achtung gegen einen edlen Mann, dem Du angehörst, Vorzug oder Höflichkeit beweist, so brüste Dich damit nicht, sondern sei bescheiden genug zu fühlen, dass dies alles vielleicht wegfallen würde, wenn Du einzeln aufträtest! Suche aber selbst zu verdienen, dass man Dich um deinetwillen ehre! Sei lieber das kleinste Lämpchen, das einen dunklen Winkel mit eigenem Lichte erleuchtet als ein großer Mond einer fremden Sonne oder gar Trabant eines Planeten!

Wie aktuell ist Anstand?

 

Wie aktuell ist Anstand?

Was ist Anstand?

Anstand ist ein Kriterium für den ethisch-moralischen Anspruch und die Erwartung an ein gutes oder richtiges Verhalten. Anstand ist das nach außen sichtbare Benehmen und von keiner spezifischen Moral abhängig. Der Anstand bestimmt die Umgangsformen und die Lebensart, er entscheidet in hohem Maß über die Qualität zwischenmenschlicher Beziehungen, im Kleinen wie im Großen.

Lässt man die angestaubten Begriffe wie, schickliches Benehmen, gute Sitte, Sittsamkeit und Tugendhaftigkeit einmal außer Acht, so verbleibt im Repertoire bewährter gesellschaftlicher Umgangsformen noch genügend Potenzial, dem Niveau des Miteinanders in eine verträglichere Form zu geben. Denn was sollte an den verbleibenden Ansprüchen wie – gutes Benehmen – Takt – Toleranz – Feingefühl – Hilfsbereitschaft – Höflichkeit – Korrektheit -Respekt  in der Gegenwart und der Zukunft entbehrlich werden ohne dass das Niveau noch weiter sinkt?
Es ist schon beschämend anzusehen, wie sich, nach ihrem Lebensalter, erwachsene Menschen, in Talkshows blamable Blößen geben. Es stellt sich die Frage, in welcher Periode, zwischen Kindergarten und ihrem aktuellen Status, der Reifungsprozess dieser Menschen stagnierte? Die creme de la creme aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft prostituiert sich zu oft ohne jeden „Anstand“ bei jeder sich bietenden Gelegenheit – mediale Präsenz um jeden Preis! Geifernde Schwätzer, ohne Stil, ohne Respekt, ohne Charisma, dafür mit einer auffällig haltlosen Klappe. Um wie viel besser würden sich solche Auftritte mit etwas Feingefühl, Takt, Höflichkeit, Respekt präsentieren!

Verliert Anstand seinen ideellen Wert für die Gesellschaft  

Nein,denn das wäre ein irreparabler Verlust an Lebensqualität. Es ist nur mehr an Substanz, an charakterlicher Qualität und mehr Intellekt notwendig:

  • Um seine Person, seine Meinung mit Anstand zu repräsentieren.
  • Den Mitmenschen mit Respekt und Höflichkeit zu begegnen, sei es ein Obdachloser, eine Toilettenfrau, ein Fremder, ein Andersdenkender oder Kinder und Alte.
  • Gegensätzliche Meinungen oder Lebensphilosophien als gutes Recht der Anderen zu tolerieren, besser noch, zu akzeptieren.
  • Sich korrekt an Regeln, Gebote oder Verbote zu halten, die ein verträgliches Miteinander erst ermöglichen, die substanziell eine Gemeinschaft erträglich gestalten.

Das Maß an Anstand formt die Qualität zwischenmenschlicher Beziehungen