Werte im Wandel

 

Werte benennen im generellen Sprachverständnis die Attribute bzw. qualitative Eigenschaften, die allgemein den Dingen, praktischen bzw. sittlichen Idealen und Ideen, existierenden Gegebenheiten und Charaktereigenschaften beigemessen werden.
Werte bilden sich aus den temporären Wertvorstellungen, dem Zeitgeist einer Gesellschaft. Dieses, mit dem Nützlichkeitsprinzip gesellschaftlicher Stabilität koalierende Wertesystem, bemisst so den Wert oder Unwert von Handlungs- und Verhaltensmustern von Entwicklungen und deren Tendenzen. Beansprucht ein Wertesystem einen absoluten Anspruch auf Wahrheit, pervertiert es sich selbst, es verliert an universellem Wert und verkommt zu einer starren, lebensfeindlichen Ideologie.

Dieses Risiko bergen heute mehr denn je die Entwicklungen, einer sich selbst exponentiell entwickelnden Technik. Einer Technik, deren Systeme und ihre Funktionsweise nicht mehr verstanden, sondern lediglich konsumiert wird.

Die Menschheit sollte sich nicht dem Irrglauben hingeben, dass das Fortschreiten einer technischen Entwicklung mit einem Zuwachs, dem Menschen zuträglichen Werten, verbunden ist. Die Werte, die einer technischen Entwicklung förderlich sind, sind inhuman, seelenlos. Es sind dem technomorphen Nutzer verführerische Werte, berechenbar, klar strukturiert, normiert, doch ebenso kalt, gleichgültig gegenüber menschlicher Emotion.

Der fast neurotische Zwang alles zu realisieren, was technisch möglich erscheint, setzt ein „Perpetuum mobile“ des Begehrens in Gang, was letzten Endes den Menschen als unkalkulierbares, unprofitables Objekt an den Rand der Nutzlosigkeit drängt.

Entwicklungen kultureller und technischer Art können neue Werte schaffen. Die Qualität so generierter Werte ist jedoch nicht per se gut. Es liegt im Interesse der Menschen, diese Werte ihren Bedürfnissen anzugleichen und nicht ihre Bedürfnisse dem Diktat vordergründig, bequemer Werte zu opfern.

Klaus Schneider April 2019

Danke den Schulschwänzern

  • Ein herzliches Dankeschön den Schulschwänzern-
    dafür, dass sie Verantwortung übernehmen, wo ihre Eltern und Großeltern offensichtlich versagten,
    dafür, dass sie die Hoffnung an die Fähigkeit zu gesellschaftlicher Verantwortung erlauben,
    dafür, dass sie mit ihrem Protest einer lebbaren Zukunft eine Hintertüre offen halten,
    dafür, dass sie gegen die Dummheit und Ignoranz vorgehender Generationen auf die Straße gehen,
    dafür, dass sie dem maßlosen Profitstreben dieser gegenwärtigen Gesellschaft keine Priorität mehr einräumen,
    dafür, dass sie sich von den substanzlosen Vorhaltungen einfältig, dummer Politschwätzer, Verwaltungsbeamten und ähnlichen, unnützen Protagonisten öffentlicher Meinungsbildung nicht beirren lassen. Jener Personengruppe die Stirn bieten, die mit infamen, bis ins lächerliche gehenden Argumenten, gegen berechtigte, existenzielle Anliegen Stimmung machen. Einer Tätergruppe, die in der Hauptsache das Verschulden für den Istzustand, sowie den Trend künftiger Entwicklung dieser Erde zu verantworten hat. Leider sind sie lediglich Repräsentanten einer, die globalen Umweltprobleme ignorierenden Gesellschaft. Einer, in ihrer mentalen Ausrichtung, phlegmatisch veranlagten Gesellschaft, die solange es nur geht, den bequemen, den vertrauten Weg vorzieht, alles so belassen will, wie es ist.
    Irgendwann in naher oder ferner Zukunft werden diese phlegmatischen Ignoranten wegsterben und nachfolgenden Generationen den ganzen Dreck hinterlassen. Will den Erben wirklich jemand, bei klarem Verstand oder wenigstens mit Resten von Verstand, das Recht absprechen, dagegen zu protestieren?

Klaus Schneider März 2019

 

Wert der Vernunft.

 

Die menschliche Gemeinschaft zeigte einen eklatanten Makel auf, sie verführt die Menschen zu einer kritikreduzierten bis kritiklosen Opportunität, die im schlimmsten Fall in einem dümmlichen Stumpfsinn wider eigenen geistigen Interessen endet. Widersprüchlich dazu steht der kompromisslose Narzissmus, wenn Leib und Leben, dem persönlichen Wohlbefinden, seiner körperlichen Unversehrtheit oder in größerem Maß, einer möglichst langen Verweildauer der irdischen Existenz Gefahr droht. Die Menschen wissen letzten Endes weder was sie wollen, noch was sie tun. Vernunft, per definitionem, besitzt keinen allgemeingültigen, moralischen Stellenwert. Vernunft definiert sich im pragmatischen Handeln und ist durch keinen implizierten Anstand oder Moral gekennzeichnet. Sie realisiert sich aus den Eigeninteressen des Individuums.

Klaus Schneider Februar 2019

Rente- Grenzen der Solidargemeinschaft

Was widerfährt dem systemkonform, exzessiv konsumierenden Wesen Mensch, wenn von heute auf morgen, mit dem Abschied vom Berufsleben, ihm ungefähr die Hälfte des Einkommens fehlt?
Bei einem stattlichen Einkommen mag sich dies lediglich in einer Reduktion des gewohnten Luxus auswirken. Aber was ist mit denen, die schon vorher, Monat für Monat ihre liebe Mühe mit dem Auskommen vom Einkommen hatten?
Diese wesentliche Minderung des Einkommens führt zu gravierender Reduktion vorgegebener Lebensqualität, bis hin zum Verlust eines systemkonformen Existenzminimums. Dieses Einkommen fehlt Menschen, die den Zenit ihrer körperlichen und mentalen Leistungsfähigkeit längst überschritten, Menschen, deren Lebenszeit sich ihrem Ende zuneigt. Menschen mit Blessuren dieses Lebens, Menschen, die sich müde fühlen, die mit den oft kläglichen Resten ihrer Lebensenergie noch ein paar Jahre in Würde erleben möchten. Menschen, deren letzte, sichere Erwartung lediglich der Tod ist. Nichts in ihrem Leben ist mehr umkehrbar, korrigierbar. Menschen, die in, und in welchem Maß auch immer, für die Gemeinschaft lebten.
Nun könnte man von dem logischen Schluss ausgehen, dass die sogenannte Solidargemeinschaft, die Verpflichtung der Fürsorge alter Menschen nicht nur auf die Erhaltung deren physiologischen Funktionen beschränkt, sondern auch jene geistigen Dispositionen abdeckt, die nach allgemein gebräuchlicher Definition, den Menschen vom Tier unterscheidet, ihn zum Menschen macht.

Diesen Anspruch an die Solidargemeinschaft jedoch verliert jedoch der alte Mensch mit dem Eintritt der Bedürftigkeit, jeder Bedürftigkeit.
In unserer Gesellschaft, einer parlamentarischen Demokratie mit unveräußerlichen Grundrechten, wie z. B. die Würde jedes einzelnen Menschen sei unantastbar , ignorieren und verweigern böswillig oder aus Arroganz, die gewählten Vertreter des Volkes deren elementare Rechte. Sie befinden sich in guter Gesellschaft der Spitzenverdiener mit adäquatem Grund- und Kapitalvermögen, einer lebenslang konstanten Vermögensstrategie und den Diener des Staates, der Beamtenschaft. Dieses asoziale Tribunal, das sich nach menschlichem Ermessen nie Gedanken über das Auskommen mit ihren Ruhestandsbezügen machen muss, debattiert und entscheidet nun über die Höhe der Altersvorsorge von Millionen Rentnern mittleren und kleineren Einkommens. Sie entscheiden damit direkt über die Würde des größten Teils der Bevölkerung. Sie entscheiden dies seit Jahrzehnten immer zuungunsten der Ruheständler, mit dem langatmigen, stereotypen Argument einer fehlenden Finanzierbarkeit. In ihrer charakterlichen Perversität treiben diese Totengräber jeder noch latent vorhandenen Veranlagung möglicher Solidarisierung innerhalb der Gemeinschaft, noch einen Keil zwischen diese Einkommensgruppen und verweigern der schwächsten, die Anpassung auf ein Minimalniveau mit allerlei dubiosen Begründungen. Ein Akt, den die nachfolgenden, besser gestellten Habenichtse, auf der Leiter der monetären Hierarchie, gerne zur Kenntnis nehmen. Die Erkenntnis, dass es Teilen der Gesellschaft noch schlechter geht, diese in dem materiell, ökonomischen Wertesystem einen Rang tiefer stehen, ist doch Balsam für die Seelen aller Kleingeister. Zumal, ob ausgesprochen oder verborgen in ihrem schlichten Denken, diese verkrachten Existenzen selbstverständlich die Schuld bei sich selbst zu suchen haben. Ein selten einfältiges Denkmodell, doch mit gesellschaftskonformer Relevanz. Zugeschnitten für eine angsterfüllte, Intellekt reduzierte Gesellschaft , unfähig über den Tellerrand ihres momentanen Befindens zu blicken, devot dankbar für alle milden Gaben, kümmerliche Reste perverser Verteilungsstrategien der herrschenden Kapital und Politik Imperien.
Für die Qualität einer Gesellschaft hat dies katastrophale Folgen, denn für dieses Gebilde gilt primär folgende Maxime: Eine Gesellschaft ist nur so viel wert, wie die schwächsten ihrer Mitglieder dieser Gesellschaft wert sind.
Es würde nicht all zu viel Intellekt erfordern, von allen Gesellschaftsschichten, dies als allen nützliche Erkenntnis zu verifizieren. Doch eine Herde Tiere, mehr Wert stehen sich die Menschen selbst nicht mehr zu, bleibt was sie ist und vorstellt, eine Herde willenloser Kreaturen. Kreaturen, die jeden Weg gehen, der ihnen vorgegeben wird. Ein „tierisch“ gangbarer Weg, nur, dass der Hirte kein „guter Hirte“ , sondern ein charakterloses „Abstraktum“ namens Kapital ist, dem zunehmend die Menschheit ihr Heil anvertraut. Es ist zu befürchten, dass dieser Weg zu keinem guten Ende führt.

Klaus Schneider Februar 2019

Eine Erklärung der Dinge dieser Welt

Die großen menschlichen Gemeinschaften sind nicht auf allgemein verbindliches Recht und Moral, sondern auf Schlechtigkeit und Egoismus aufgebaut. Sollte der unwahrscheinliche Fall eintreten, die Menschen würden ehrlich, stürzten sie sich damit ins größte Elend. Der funktionalen Struktur moderner Gesellschaften wäre damit das essenzielle Substrat entzogen.

Der Arzt Bernard de Mandeville wertete 1709 die praktikable Moral menschlicher Gemeinschaften folgendermaßen und schreibt dazu in dem Lehrgedicht „The grumbling hive or Knaves turned honest“ folgendes:

„So klagt denn nicht, für Tugend hat`s
in großen Staaten nicht viel Platz.
Mit möglichstem Komfort zu leben;
im Krieg zu glänzen und doch zu streben
von Lastern frei zu sein, wird nie
was anders sein als Utopie.
Stolz Luxus und Betrügerei
muss sein, damit ein Volk gedeih“.

Diese Einschätzung sei den naiven Aposteln heutiger, ach so guter Zeiten, ins Gebetbuch gelegt. 310 Jahre alt sind diese Gedanken und erfuhren in der Zeit ihre peinliche Ratifikation durch die Tendenz moralischer Ausrichtung der Gesellschaften. Eine realistische Option zu einer Korrektur, dieser letztendlich gesellschaftszersetzenden, inhumanen Handlungsweise, ist ohne die Wahrnehmung dieser Fehlentwicklung, nicht gegeben.

Klaus Schneider Januar 2019