Wert der Vernunft.

 

Die menschliche Gemeinschaft zeigte einen eklatanten Makel auf, sie verführt die Menschen zu einer kritikreduzierten bis kritiklosen Opportunität, die im schlimmsten Fall in einem dümmlichen Stumpfsinn wider eigenen geistigen Interessen endet. Widersprüchlich dazu steht der kompromisslose Narzissmus, wenn Leib und Leben, dem persönlichen Wohlbefinden, seiner körperlichen Unversehrtheit oder in größerem Maß, einer möglichst langen Verweildauer der irdischen Existenz Gefahr droht. Die Menschen wissen letzten Endes weder was sie wollen, noch was sie tun. Vernunft, per definitionem, besitzt keinen allgemeingültigen, moralischen Stellenwert. Vernunft definiert sich im pragmatischen Handeln und ist durch keinen implizierten Anstand oder Moral gekennzeichnet. Sie realisiert sich aus den Eigeninteressen des Individuums.

Klaus Schneider Februar 2019

Rente- Grenzen der Solidargemeinschaft

Was widerfährt dem systemkonform, exzessiv konsumierenden Wesen Mensch, wenn von heute auf morgen, mit dem Abschied vom Berufsleben, ihm ungefähr die Hälfte des Einkommens fehlt?
Bei einem stattlichen Einkommen mag sich dies lediglich in einer Reduktion des gewohnten Luxus auswirken. Aber was ist mit denen, die schon vorher, Monat für Monat ihre liebe Mühe mit dem Auskommen vom Einkommen hatten?
Diese wesentliche Minderung des Einkommens führt zu gravierender Reduktion vorgegebener Lebensqualität, bis hin zum Verlust eines systemkonformen Existenzminimums. Dieses Einkommen fehlt Menschen, die den Zenit ihrer körperlichen und mentalen Leistungsfähigkeit längst überschritten, Menschen, deren Lebenszeit sich ihrem Ende zuneigt. Menschen mit Blessuren dieses Lebens, Menschen, die sich müde fühlen, die mit den oft kläglichen Resten ihrer Lebensenergie noch ein paar Jahre in Würde erleben möchten. Menschen, deren letzte, sichere Erwartung lediglich der Tod ist. Nichts in ihrem Leben ist mehr umkehrbar, korrigierbar. Menschen, die in, und in welchem Maß auch immer, für die Gemeinschaft lebten.
Nun könnte man von dem logischen Schluss ausgehen, dass die sogenannte Solidargemeinschaft, die Verpflichtung der Fürsorge alter Menschen nicht nur auf die Erhaltung deren physiologischen Funktionen beschränkt, sondern auch jene geistigen Dispositionen abdeckt, die nach allgemein gebräuchlicher Definition, den Menschen vom Tier unterscheidet, ihn zum Menschen macht.

Diesen Anspruch an die Solidargemeinschaft jedoch verliert jedoch der alte Mensch mit dem Eintritt der Bedürftigkeit, jeder Bedürftigkeit.
In unserer Gesellschaft, einer parlamentarischen Demokratie mit unveräußerlichen Grundrechten, wie z. B. die Würde jedes einzelnen Menschen sei unantastbar , ignorieren und verweigern böswillig oder aus Arroganz, die gewählten Vertreter des Volkes deren elementare Rechte. Sie befinden sich in guter Gesellschaft der Spitzenverdiener mit adäquatem Grund- und Kapitalvermögen, einer lebenslang konstanten Vermögensstrategie und den Diener des Staates, der Beamtenschaft. Dieses asoziale Tribunal, das sich nach menschlichem Ermessen nie Gedanken über das Auskommen mit ihren Ruhestandsbezügen machen muss, debattiert und entscheidet nun über die Höhe der Altersvorsorge von Millionen Rentnern mittleren und kleineren Einkommens. Sie entscheiden damit direkt über die Würde des größten Teils der Bevölkerung. Sie entscheiden dies seit Jahrzehnten immer zuungunsten der Ruheständler, mit dem langatmigen, stereotypen Argument einer fehlenden Finanzierbarkeit. In ihrer charakterlichen Perversität treiben diese Totengräber jeder noch latent vorhandenen Veranlagung möglicher Solidarisierung innerhalb der Gemeinschaft, noch einen Keil zwischen diese Einkommensgruppen und verweigern der schwächsten, die Anpassung auf ein Minimalniveau mit allerlei dubiosen Begründungen. Ein Akt, den die nachfolgenden, besser gestellten Habenichtse, auf der Leiter der monetären Hierarchie, gerne zur Kenntnis nehmen. Die Erkenntnis, dass es Teilen der Gesellschaft noch schlechter geht, diese in dem materiell, ökonomischen Wertesystem einen Rang tiefer stehen, ist doch Balsam für die Seelen aller Kleingeister. Zumal, ob ausgesprochen oder verborgen in ihrem schlichten Denken, diese verkrachten Existenzen selbstverständlich die Schuld bei sich selbst zu suchen haben. Ein selten einfältiges Denkmodell, doch mit gesellschaftskonformer Relevanz. Zugeschnitten für eine angsterfüllte, Intellekt reduzierte Gesellschaft , unfähig über den Tellerrand ihres momentanen Befindens zu blicken, devot dankbar für alle milden Gaben, kümmerliche Reste perverser Verteilungsstrategien der herrschenden Kapital und Politik Imperien.
Für die Qualität einer Gesellschaft hat dies katastrophale Folgen, denn für dieses Gebilde gilt primär folgende Maxime: Eine Gesellschaft ist nur so viel wert, wie die schwächsten ihrer Mitglieder dieser Gesellschaft wert sind.
Es würde nicht all zu viel Intellekt erfordern, von allen Gesellschaftsschichten, dies als allen nützliche Erkenntnis zu verifizieren. Doch eine Herde Tiere, mehr Wert stehen sich die Menschen selbst nicht mehr zu, bleibt was sie ist und vorstellt, eine Herde willenloser Kreaturen. Kreaturen, die jeden Weg gehen, der ihnen vorgegeben wird. Ein „tierisch“ gangbarer Weg, nur, dass der Hirte kein „guter Hirte“ , sondern ein charakterloses „Abstraktum“ namens Kapital ist, dem zunehmend die Menschheit ihr Heil anvertraut. Es ist zu befürchten, dass dieser Weg zu keinem guten Ende führt.

Klaus Schneider Februar 2019

Erklärung der Dinge dieser Welt

Die großen menschlichen Gemeinschaften sind nicht auf allgemein verbindliches Recht und Moral, sondern auf Schlechtigkeit und Egoismus aufgebaut. Sollte der unwahrscheinliche Fall eintreten, die Menschen würden ehrlich, stürzten sie sich damit ins größte Elend. Der funktionalen Struktur moderner Gesellschaften wäre damit das essenzielle Substrat entzogen.

Der Arzt Bernard de Mandeville wertete 1709 die praktikable Moral menschlicher Gemeinschaften folgendermaßen und schreibt dazu in dem Lehrgedicht „The grumbling hive or Knaves turned honest“ folgendes:

„So klagt denn nicht, für Tugend hat`s
in großen Staaten nicht viel Platz.
Mit möglichstem Komfort zu leben;
im Krieg zu glänzen und doch zu streben
von Lastern frei zu sein, wird nie
was anders sein als Utopie.
Stolz Luxus und Betrügerei
muss sein, damit ein Volk gedeih“.

Diese Einschätzung sei den naiven Aposteln heutiger, ach so guter Zeiten, ins Gebetbuch gelegt. 310 Jahre alt sind diese Gedanken und erfuhren in der Zeit ihre peinliche Ratifikation durch die Tendenz moralischer Ausrichtung der Gesellschaften. Eine realistische Option zu einer Korrektur, dieser letztendlich gesellschaftszersetzenden, inhumanen Handlungsweise, ist ohne die Wahrnehmung dieser Fehlentwicklung, nicht gegeben.

Klaus Schneider Januar 2019

Neues Jahr, neues Glück?

 

Trügerische Hoffnung, Illusionen auf das große Glück, Veränderung, der Beginn von etwas Besserem als das Gewesene, als das Aktuelle, das Hier und Jetzt.

Doch warum sollte ein von Menschengedanken festgelegtes Zeitmaß etwas ändern? Warum um Himmelswillen sollte ein Datum, willkürlich auf einem in die Zukunft gerichteten Zeitpfeil, an Milliarden von Menschenschicksalen etwas ändern? Der Lauf der physikalischen Zeit nimmt keine Rücksicht auf das Befinden von Menschen. Warum auch.

Das Verlangen nach Veränderungen, nach dem Bessern im Leben, sind an jedem Zeitpunkt eines Lebenslaufes besser platziert als gerade zu einem fixierten Zeitpunkt, einem Jahreswechsel. Die dummen Illusionen auf ein Glück im neuen Jahr, hindern den Menschen, das zu tun, was für all das notwendig wäre: Mit seinem Willen, seiner ganzen Kraft das herbeiführen, was er sich vorstellt, was seine innersten Wünsche fordern. Diese Wünsche sind keine Wünsche an das Universum oder ein imaginäres Glück, es sind Forderungen die Menschen an sich selbst stellen müssen. Nur so wird sich eine Illusion, ein Wunsch in der Realität der Zeit verwirklichen.

Klaus Schneider Dezember 2018

 

Das schlechte – gute Gewissen und die Hoffnung

Albert Schweitzer,(1875 – 1965, deutsch-französischer Arzt, Theologe, Musiker und Kulturphilosoph, Friedensnobelpreisträger), benennt ein „gutes Gewissen“ als die eine Erfindung des Teufels. Er hat recht. Wer einmal das Leid, die Not und Ungerechtigkeit dieser Welt mit all seinen Sinnen wahrnahm, eins wurde mit der Traurigkeit von Millionen leidender Menschen, wird nie sich eines „guten Gewissens als sanftes Ruhekissen“ erfreuen. Dieser Mensch kann nie mehr so unbefangen glücklich werden, wie es ihm ein innewohnendes Verlangen suggerieren möchte. Hilflos steht dieser Mensch, mit seinem „schlechten Gewissen“, einer übermächtigen, bornierten Realität gegenüber, die keine Hoffnung aufkommen lässt, allen Menschen einen Platz an der Sonne einzuräumen. Das Leid, die Not und Ungerechtigkeit dieser Welt, scheinen für alle Zeit den Menschen als ein stereotypes Schicksal diktiert zu sein. Ein Pestgeschwür der Menschheit, von Menschen gemacht und mit deren Egoismus und Herzlosigkeit genährt. Die Macht dessen, der sich schämt für diese Entgleisungen wider den elementaren Naturgesetzen und der Menschlichkeit, ist sein moralisches Potenzial, das mit der Anerkennung seiner Mitschuld, seines schlechten Gewissens, der Hoffnungslosigkeit Widerstand entgegensetzt. Und wenn es nur ein einziger Mensch wäre, der sich auch nur in Gedanken einem innigen Mitleidens öffnet, würde die Hoffnung in ihrer umfassendsten, mächtigsten Form nie enden.

Klaus Schneider Dezember 2018