Dumm, dümmer, Antisemitismus

 

Antisemitismus zeigt eine der dümmsten Entgleisungen des menschlichen Intellekts auf. Während für andere rassistische Ressentiments wenigstens noch optisch sichtbare Verschiedenheiten zu ansonsten geist- und haltlosen Begründungen, assistieren können, sind Menschen jüdischen Glaubens, weder sichtbar, noch an einer individuellen Verschiedenheit zu identifizieren. Sie sind da, sind Mitglieder der Gesellschaft, nicht mehr und nicht weniger und das schon seit Hunderten von Jahren. Mit dem gleichen Anspruch auf ein unantastbares Recht ihrer Existenz wie jedes andere Mitglied dieser Gesellschaft – ohne Wenn und Aber – ist dieser archaische Antisemitismus noch so tief in der Gesellschaft verwurzelt.
An und für sich eine plausible Aussage, da eine nachvollzieh- und beweisbare Begründung der stereotyp vorgetragenen Ressentiments noch nie erbracht wurde. Doch hier geht es nicht um Logik, hier geht es um eine tief im Erbgut eingelagerte Negation und die erfordert keine nachvollziehbare logische Begründung. Ein seichtes Tummelbecken für Intelligenz-reduzierte Individuen, denen eigene Denkoperationen, ohne die Hilfskonstruktionen vorgegebener Ideologien, suspekt erscheinen.
Doch sie können ihre Absolution in der real existierenden moralischen Disposition dieser Gesellschaft finden. Einer Gesellschaft, entstanden aus den Trümmern nationalsozialistischer Verbrechen, einem Albtraum von Zerstörung und Schrecken. Ein Albtraum der bei seiner Aufarbeitung durch Gleichgültigkeit beschämte, die Millionen ermordeten Menschen allenfalls ein weiterer „Vogelschiss“ in den Annalen ihrer trüben Geschichte. Was, um Gotteswillen, soll in diesem Sumpf von erbärmlicher Ignoranz, der nie trockengelegt wurde, gedeihen?

Klaus Schneider Oktober 2019

Gott ist tot, es lebe Gott. Der Klimawandel, Folge eines Götzenwechsels?

 

Der Zeitpunkt beginnender Emanzipation gegen Religions- und analog Glaubensdiktate fällt, vor allem in den Industrienationen, in eine Phase eines allgemeinen, wirtschaftlichen Wohlstandes breiter Bevölkerungsschichten. Unter dieser Konstellation fand und findet, sukzessiv lediglich ein Götzenwechsel statt.

Der Mohr, der Gott des Mangels, des Leides und vielfältiger nebulöser Versprechungen, allesamt für eine kommende überirdische Existenz bestimmt, hat seine Schuldigkeit getan, er kann gehen, oder zumindest einen Schritt beiseitetreten. Der Mensch fand Götzen, die er mit seinen Sinnen begreifen, ihre Wohltaten hier und heute genießen kann. Es machte nun Sinn, sich auf dieses Hier und Heute zu konzentrieren, es exzessiv zu leben. Die indoktrinierte Moral, die einer verarmten und rechtlosen Bevölkerungsschicht, Geduld, Demut, Glaube, Gehorsam und was sonst noch alles suggerierte, weicht einer Moral, die auf imaginärer Freizügigkeit, wirtschaftlichem Wachstum und ungezügeltem Konsum beruht. Das neue Credo der Zeit ist eine exzessive ökonomische Expansion. Moderate, ökonomisch und ökologisch nachhaltige Entwicklung der Volkswirtschaft wird mit Stillstand gleichgesetzt, was Rückschritt und entsprechend den Verlust erfassbarer Lebensqualität bedeutet, also keine ernsthafte Option für konvertierte Kapitalanbeter. Eine einschmeichelnde neue Lebensqualität, dieses Konglomerat aus materieller Habe und leiblicher Genüsse, deren Besitz und exzessiver Konsum nicht zwingend die Notwendigkeit voraussetzt, Glück darüber zu empfinden. Vielfältige, geist- und sinnlose Zerstreuung, auch über jedes moderate Maß hinaus, ist in der heute real existierenden Gesellschaft durchaus mehrheitsfähig. Warum auch nicht?

Gibt es eine reale Hoffnung auf eine umfassende Besinnung der Menschheit? Die in Konsequenz eine vernunft- und damit zukunftsorientierte Gestaltung ihrer Existenz einfordert? Ein Paradigmenwechsel gegen den mächtigen Trieb der inhärenten Selbsterhaltung auf hohem Niveau. Ein Paradigmenwechsel, der eine vermutlich massive Reduktion des Lebensstandards nach sich ziehen und die Selbsterhaltung wieder zu einem Problem machen könnte?

Klaus Schneider September 2019

Der Mensch-Parasit und Schmarotzer

Parasiten- oder auch Schmarotzerbefall bezeichnet den Ressourcenerwerb eines Lebewesens durch die Ausbeutung eines meist größeren Organismus einer anderen Art. Der als Wirt bezeichnete Organismus wird dabei vom Parasit geschädigt, kann aber in der Regel seine Existenz erhalten.
In wenigen anderen Fällen kann, zu einem späteren Zeitpunkt, der Parasitenbefall, zum Tod des Wirtes führen, dann, wenn der Parasit dessen Existenzgrundlagen nachhaltig geschädigt oder völlig vernichtet hat. Parasiten oder Schmarotzer, deren Wirken zum Tode führt, werden als Raubparasiten bezeichnet.Warum ist das Auftreten der Raubparasiten selten zu beobachten? Zu vermuten ist, dass ein der Natur inhärenter Erhaltungsmechanismus für eine ausgleichende Balance zwischen Schädiger und Geschädigtem sorgt, es liegt nicht im Interesse der Natur, ein Ding zu vernichten.

Ganz anders sieht es bei der „vernunftbegabten Krone der Schöpfung“ dem Menschen aus. Seine Selbsterhaltung versteht sich als ein biologisches Prinzip, das es ihm, wie den anderen Tieren, aufgrund angeborener Verhaltensweisen, usw. ermöglicht, sich als Einzelwesen, Gruppe und Art am Leben zu erhalten. Die Priorität dieses Prinzip ist aber primär nur auf die Zeit bezogen, in der das „Tier“ existiert. Eine Einbeziehung nachfolgenden Lebens ist in diesem biologischen Prinzip der Selbsterhaltung nicht dringlich vorgesehen, da die Selbsterhaltung mit dem Tod des Lebewesens endet.

So ist es auch, zugegeben simpel, zu erklären, warum der Raubparasit Mensch seinen Wirtskörper, seine Existenzgrundlage die Erde, so nachhaltig schädig, so, dass nachfolgende Generationen diesen Wirtskörper nur noch mit gravierenden Einschränkungen werden nützen können. Rücksicht ist im biologischen Prinzip der Selbsterhaltung ein irrationaler Luxus. Letzten Endes fühlt sich das Individuum nur sich selbst, im Hier und Jetzt, verpflichtet.
Als bitteres Fazit bleibt die Feststellung: Die Menschheit wir die Erde erst dann nicht mehr schädigen, wenn es nichts mehr zu schädigen gibt. Die Natur wird sich irgendwann erholen, voraussichtlich wird die menschliche Kreatur dies nicht erleben.

Klaus Schneider im August 2019

Im Interesse des Staates: Unterlassene Hilfeleistung?

Szenario 1: Eine Epidemie in einem europäischen Territorium mit Tausenden von Erkrankten, welche nur durch schnelle Hilfe eine Überlebenschance besitzen. Umliegende Kliniken stoßen schnell an ihre Grenzen, die Versorgung der Erkrankten kann nicht mehr in ausreichendem Umfang erfolgen. Die Verteilung der Erkrankten, über die Peripherie des betroffenen Gebietes hinaus, ist dringend notwendig, es geht um Menschenleben.

Kein Problem, die Frage, ob geholfen wird, stellt sich nicht, es wird geholfen. In Deutschland regelt dies der § 323c über den Straftatbestand der unterlassenen, zumutbaren Hilfeleistung, und lässt keine andere Option offen. Die moralische Bewertung der Handlungsweise ist ebenso, für jedermann einsichtig, und ohne Zweifel als ethisch richtig begründet.

Szenario 2: Identische Situation mit durchaus denkbaren Abweichungen. Angrenzende, rechtstaatlich autonome Länder sind nicht auf die Anforderungen vorbereitet, die eine Hilfeleistung in Fällen solcher Katastrophen mit sich bringt. Die Kapazitäten und Ausstattungen der Kliniken reichen nicht aus und außerdem fürchten die Bewohner Schaden für Leib und Leben sowie ihr Hab und Gut. Was tun?

Auch kein Problem, den Rettungsorganisationen wird, mittels schlichter Rhetorik begründeter Bedenken, die Einreise verweigert. Dass es nicht zu peinlichen Vorfällen auf ihrem Territorium kommt, lassen sie die Transporte schon vor ihren Grenzen mit allerlei perfiden Mitteln sabotieren. Das Sterben der Menschen ist ihnen, gelinde gesagt, scheißegal. Die Gebiete in denen gestorben wird, werden zu Regionen erklärt, in denen kein, sie bindender Rechtsanspruch auf Hilfeleistung, existiert. Solidarität hin, Solidarität her und Menschlichkeit ist kein einklagbares Recht. Eine „Phrase“ die man in Zeiten, in denen sie unangenehmes Engagement fordert, ohne ideelle moralische Probleme, ignorieren darf. Eine Option, welche die christlich- abendländische Kultur seit ihrer Entstehung praktiziert.

Zudem: Der Mensch ist nicht gleich Mensch, Sein Wert ist flexibel, abgestuft nach Nützlichkeit für den, der sich das Recht herausnimmt, dies zu bewerten. Was soll an einem Neger, Nordafrikaner oder Syrer, denn nützlich sein? Sollen sie doch ersaufen, möglichst weit weg aus dem Blickfeld der sensiblen Wahrnehmung europäischer (christlicher) Leitkultur, schließlich hat man ja auch Gefühle.

Noch ist diese Fiktion innerhalb der Territorien der  Demokratien Europas nicht denkbar, noch. Außerhalb dieser Grenzen wird dies Szenario bereits an andersartigen Menschen realisiert. Nur ist zu bedenken, wenn der Damm erst einmal gebrochen ist, gibt es hinter ihm keinen Schutz mehr, für niemanden!
 Perfide Ansichten, schön wäre es, wenn es so wäre, leider ist das gelebte Realität im Jahr 2019.

Klaus Schneider August 2019

Orientierung oder die Idee der Moral

 

Eine Ideal der Moral und Ethik zeigt der 1875 im Elsass geborene Albert Schweitzer, Theologe, Philosoph und Arzt, auch bekannt als Urwaldarzt von Lambarene, in seiner Ethik der Ehrfurcht vor dem Leben, auf. Ethische Grundsätze, die bis heute nichts von ihrer Verbindlichkeit verloren haben, die keine Religion oder weitere philosophische Denkmodelle zu ihrer Legitimation brauchen, da sie in sich schlüssig und plausibel sind. Eine Korrektur und Adaption an vergängliche Moralitäten schließt sich daher aus. Albert Schweitzers Ethik ist zeitlos, einfach, universell und so eklatant dem menschlichen Wesen entgegengesetzt, dass sie vom real existierenden, menschlichen Charakteristikum, kaum zu realisieren sein wird.
Ein einfaches Prinzip liegt der Ethik Albert Schweitzers zugrunde:
Gut ist, Leben zu erhalten – schlecht ist, Leben zu hemmen und Leben zu zerstören.
Moralisch handelt der Mensch, wenn er sich von seinem bloßen Egoismus befreit, die Fremd- und Eigenheiten der anderen Lebewesen als gleichwertig erkennt, sie miterlebt und mit erleidet, er sich mit allen anderen Lebewesen, ohne jede Ausnahme, in eine empathische Verbindung einlässt. Erst mit diesem Bewusstsein ist der Mensch das herausragende Geschöpf der Natur.
Nur so besitzt er eine Moral oder ein Wertesystem, das ihn von der Natur, der auch er entstammt, wesentlich abhebt.
Diese Ehrfurcht oder dieser Respekt vor dem Leben, allem Leben, ist ein Novum der Natur unseres Planeten. Denn die Natur kennt keine Ehrfurcht vor dem Leben. Sie bringt Leben hervor und zerstört es, sie kann es nicht anders, sie besitzt keine Moral, keine Ethik nur die Vorgaben ihrer Existenz.
Wenn der Mensch sich schon als Krone der Schöpfung, der Natur bezeichnet, sollte er doch etwas vorweisen, was ihn zu dem macht, was er sich einbildet zu sein.
Schafft er das, oder sollte er lieber seinen Anspruch an seine Wertigkeit reduzieren?

Klaus Schneider Juli 2019