Die bittere Realität der Wahrheit

 

Giacomo Leopardi (1789-1837) italienischer Dichter Essayist und Philologe stellt treffend fest: „Zwei Wahrheiten, welche die Menschen nie glauben werden: dass sie nichts wissen und dass sie nichts sind. Man füge eine Dritte hinzu, die sehr von der Zweiten abhängt: dass es nach dem Tod nichts zu hoffen gibt.“
Unter solch rigiden Einschränkungen der Interpretation des ideellen Selbstverständnisses ist dem Menschen sein verzerrtes Verhältnis zur Wahrheit fast zu verzeihen. Unter solch düsteren Himmel verdrängter Realität schuf sich der Mensch eine geschmeidige Form von Wahrheit. Friedrich Nietzsche beantwortet die Frage was ist Wahrheit so: „Ein bewegliches Heer von Metaphern, Metonymien, Anthropomorphismen kurz eine Summe von menschlichen Relationen, die, poetisch und rhetorisch gesteigert, übertragen, geschmückt wurden, und die nach langem Gebrauche einem Volke fest, kanonisch und verbindlich dünken: die Wahrheiten sind Illusionen, von denen man vergessen hat, dass sie welche sind, Metaphern, die abgenutzt und sinnlich kraftlos geworden sind, Münzen, die ihr Bild verloren haben und nun als Metall, nicht mehr als Münzen in Betracht kommen.“ Das ist die bittere Realität von Wahrheiten, es wurden oft nur gefälligen Überzeugungen die Autorität einer Wahrheiten zugesprochen. So ist die Aussage zu verstehen: „Überzeugungen sind gefährlichere Feinde der Wahrheit als Lügen.”

Warum sieht der Mensch die Dinge nicht so, wie sie sind, sich selbst nicht so, wie er ist? Sein Schatten, die kollektive Egozentrik hüllt alle Einsichten ins Dunkel genehmer Verdrängung. Es lebt sich besser in schmeichelnder Illusion als mit unangenehmen, bitteren Wahrheiten.

Klaus Schneider August 2017

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