Soziale Ungleichheit ist Unrecht!

Ungleichheit ist Unrecht 

Als soziale Ungleichheit wird die ungleiche Verteilung materieller und immaterieller Ressourcen in einer Gesellschaft und die daraus entstehenden unterschiedlichen Möglichkeiten zur Teilhabe an diesen bezeichnet.

Der französisch-schweizerische Philosoph  Jean-Jacques Rousseau (1712–1778) sah in der Eigentumsbildung den Grund der verhängnisvollen sozialen und politischen Ungleichheit, die bis in die heutige Zeit andauert:

„Der erste, der ein Stück Land eingezäunt hatte und es sich einfallen ließ zu sagen: dies ist mein und der Leute fand, die einfältig genug waren, ihm zu glauben, war der wahre Gründer der bürgerlichen Gesellschaft. Wie viele Verbrechen, Kriege, Morde, wie viel Not und Elend und wie viele Schrecken hätte derjenige dem Menschengeschlecht erspart, der die Pfähle herausgerissen oder den Graben zugeschüttet und seinen Mitmenschen zugerufen hätte: ‚Hütet Euch, auf diesen Betrüger zu hören; Ihr seid verloren, wenn Ihr vergesst, dass die Früchte allen gehören und die Erde niemandem.“

Ein Leitgedanke, ausgehend vom Naturzustand des Menschen, der trotz einer inhärenten Irrealität, die Basis jeder Analyse über soziale Ungleichheit bilden sollte. Differenziert bewertet muss eingewendet werden, dass die „Früchte“, das Produkt erbrachter Arbeitsleistung demjenigen zusteht, der die Leistung erbracht hat. Die Erde jedoch, mitsamt ihren Ressourcen, gehört niemandem und somit gehört sie allen.

Was wäre wenn:

  • Sich aller Grund und Boden einschließlich der vorhandenen Ressourcen sich unveräußerlich im Besitz der Allgemeinheit befände.
  • Jede Nutzung oder Gebrauch dieser Allgemeingüter von den Nutznießern zu marktüblichen Preisen erworben, oder durch Nutzungsgebühren (Miete, Pacht), der Allgemeinheit vergütet werden muss.
  • Mit den Einnahmen aus solch einem System, ein nivellierendes einkommensabhängiges Grundeinkommen aller Bewohner finanziert würde?

Könnte so ein System der Teilhabe aller, gekoppelt an die Wirtschaftsleistung, nicht die unkontrollierte, dynamische, soziale Ungleichheit zum Stillstand bringen?

Klaus Schneider November 2018

 

„Schuldlos in Not geraten“

Der Staat als Exekutive einer verbindlich regulierten Gemeinschaft hilft „schuldlos in Not“ geratenen Menschen, Opfer von Naturkatastrophen, von wirtschaftlichen und sozialen Schieflagen, Menschen mit Behinderungen, Krankheiten und was sonst noch für Dissensen mit der Norm sie an an autonomer Lebensführung hindert.

Ein gutes Prinzip, dass sich die Gesellschaft, wenn auch nicht vorbehaltlos, zu ihrer Verantwortung bekennt. Um die Vorbehalte zu minimieren, Hilfsleistungen zu begründen, wird der Rechtsbegriff der Unschuld herangezogen. Denn in einem Rechtsstaat gilt die Unschuldsvermutung, „in dubio pro reo“, dass jeder Mensch, der einer strafbaren, oder die Gesellschaft schädigende Handlung oder Normenübertretung, beschuldigt wird, solange als unschuldig anzusehen ist, bis seine Schuld in einem öffentlichen Verfahren, in dem alle für seine Verteidigung nötigen Voraussetzungen gewährleistet waren, gemäß dem Gesetz nachgewiesen wird.

In logischer Konsequenz müsste aber die Schuldfrage, dann bei jedem einzelnen Fall erörtert und geklärt werden, um festzustellen, wer aus eigener Schuld in Not geraten ist. Diese Frage muss zwingend nach rechtsstaatlichen Prinzipien, in einem rechtsstaatlichen Verfahren, geklärt werden. Ein Verfahren, in dem die Gesellschaft nachweisen müsste, dass ein Empfänger ihrer Hilfs- und Sozialleistungen, seine Notlage wissentlich verursacht oder in Kauf genommen hat. Die staatlichen Behörden vermeiden im Prinzip solche dubiose Auseinandersetzungen, denn schuldfähig bedeutet ein Mindestmaß an Selbstbestimmung an Entscheidungsfreiheit, das vom Gesetz für die rechtliche Verantwortlichkeit verlangt wird.

Wer will bei wirtschaftlichen und sozialen Schieflagen, bei Naturkatastrophen, die nötige Eigenverantwortung und Vorsorge, einschließlich aller möglichen Entlastungsgründe, zweifelsfrei nachweisen?

Die Versuche von Schuldzuweisung oder Freistellung von Schuld stellen eine dumme, kleinkarierte Unsitte dar. Aus diesem Grunde sollte es doch an der Zeit sein, von dieser unseligen Floskel „schuldlos in Not geraten“ abzusehen und von jeder weiteren Bewertung der Empfänger staatlicher Leistungen abzusehen. Die Gesellschaft hat eine inwendige Verpflichtung sich und ihre Strukturen zu erhalten und das tut sie am Besten, wenn sie den sozialen Frieden sichert. Wenn der Untergrund, die Basis, auf dem ein Gebäude, eine Gesellschaft, steht, nichts taugt, wird der Überbau bald in eine kritische Schieflage geraten und das liebe Ankläger, Richter in Biedermanns Geist, wird erst richtig teuer.

Klaus Schneider November 2018

Deutschland, Land der „Dichter“ und Richter

 

Verschulden, Schuld, „selber Schuld“, affektive Begriffe mit denen der deutsche Einfaltspinsel seine Umwelt gerne kategorisiert, soziale und menschliche Schieflagen in ihrem sichtbaren Resultat, richtet. Seinem Urteil liegen keine stichhaltigen Beweise zu Grunde, keine hinderlichen ethischen Grundsätze oder Rechtsnormen. Solch dummes Zeug braucht er nicht, er, der ein anhaftendes Gerechtigkeitsempfinden seinem schlichten Gemüt zurechnet, hat das nicht nötig. Dieses gottgegebene Urteilsvermögen wussten auch schon seine Vorfahren gut zu nutzen, als diese ihre jüdischen Mitbürger und alles weitere wertlose Leben, im Einklang mit einem robusten Volksempfinden, der „Gerechtigkeit“ des NS- Staates überließen.
Selber Schuld, wären sie keine Juden, keine Flüchtlinge, keine Sozialhilfeempfänger, die faule Bande, keine Behinderten, die werden schon alle irgendwie selber schuld an ihrer Misere sein.
Macht sicher ein gutes Gefühl, in solch geistfreiem, ideologischen Müll zu suhlen, es wertet ja die eigene erbärmliche Existenz auf. Je mehr Bodensatz sich am Grund sammelt, desto mehr treibt es die trübe, braune Brühe nach oben. Mehr als diese trübe Brühe werden diese Richter von eigener Dummheit‘s Gnaden, nie in einer Gesellschaft repräsentieren. Oder?

Klaus Schneider November 2018

Nachtgedanken

 

Wäre es nicht an der Zeit, zum Verständnis restaurativer Tendenzen, einer, zur geistigen Degeneration treibenden Gesellschaft, die Sympathisanten rassistisch, nationalistischer Polemik zu fragen, was Sie, als Außenstehende, von Intelligenz halten.
Diese abartige Frage sollte jedoch nur jemand mit gefestigtem Charakter stellen, ein Mensch, den die zu erwartenden Antworten nicht in den Freitod treiben:

Eine kleine Auswahl geläufiger und bekannter Phrasen:
Äh, was laberst Du für Scheiße???
Mit Dir rede ich nicht, hau ab Du dumme Sau!
Was willst Du Arschloch? Ich hau Dich auf die Fresse!

Armes Deutschland, Land der Dichter und Denker. Einer dieser Dichter und Denker, Heinrich Heine, verfasste vor 174 Jahren einen zeitlosen Kommentar zu deutscher Gesinnung.

Denk‘ ich an Deutschland in der Nacht,
Dann bin ich um den Schlaf gebracht,
Ich kann nicht mehr die Augen schließen.
Und meine heißen Tränen fließen.

Klaus Schneider November 2018

Religionen und Mysterien

 

Der Existenz ist eine schier unerträgliche, geistige und biologische Vergänglichkeit eigen. Wenn auch diese Erkenntnis meist in den dunklen Depots des Unbewussten ausgelagert scheint, so repräsentiert sie doch eine intuitive Gewissheit jeder, zu intellektueller Leistung fähiger, Lebensform. Eine unerträgliche Gewissheit für denkende, fühlende und zu kognitiven Verknüpfungen fähige Individuen. Diese ersannen, schon in der Frühzeit ihrer Geschichte, zu Dämpfung dieser misslicher Realitäten, Religionen und Mysterien. Ein geistiges Perpetuum mobile, ein, die Psyche immunisierendes „Nichts“. Einmal aktiviert, erbringt es seine Leistung, ohne dass es weiterer geistiger Energie in Form von wissenschaftlicher oder objektiver Erkenntnis bedarf. Konträr zu seinem mechanischen Äquivalent, scheint diese geistige Variante seit Menschengedenken zu funktionieren. Religionen und Mysterien erklären sich aus sich selbst, ein klassischer Zirkelschluss, mehr geistige Erkenntnis – „geistige Energie“ bedürfen sie nicht um sich zu erhalten.

Klaus Schneider November 2018