Rente- Grenzen der Solidargemeinschaft

Was widerfährt dem systemkonform, exzessiv konsumierenden Wesen Mensch, wenn von heute auf morgen, mit dem Abschied vom Berufsleben, ihm ungefähr die Hälfte des Einkommens fehlt?
Bei einem stattlichen Einkommen mag sich dies lediglich in einer Reduktion des gewohnten Luxus auswirken. Aber was ist mit denen, die schon vorher, Monat für Monat ihre liebe Mühe mit dem Auskommen vom Einkommen hatten?
Diese wesentliche Minderung des Einkommens führt zu gravierender Reduktion vorgegebener Lebensqualität, bis hin zum Verlust eines systemkonformen Existenzminimums. Dieses Einkommen fehlt Menschen, die den Zenit ihrer körperlichen und mentalen Leistungsfähigkeit längst überschritten, Menschen, deren Lebenszeit sich ihrem Ende zuneigt. Menschen mit Blessuren dieses Lebens, Menschen, die sich müde fühlen, die mit den oft kläglichen Resten ihrer Lebensenergie noch ein paar Jahre in Würde erleben möchten. Menschen, deren letzte, sichere Erwartung lediglich der Tod ist. Nichts in ihrem Leben ist mehr umkehrbar, korrigierbar. Menschen, die in, und in welchem Maß auch immer, für die Gemeinschaft lebten.
Nun könnte man von dem logischen Schluss ausgehen, dass die sogenannte Solidargemeinschaft, die Verpflichtung der Fürsorge alter Menschen nicht nur auf die Erhaltung deren physiologischen Funktionen beschränkt, sondern auch jene geistigen Dispositionen abdeckt, die nach allgemein gebräuchlicher Definition, den Menschen vom Tier unterscheidet, ihn zum Menschen macht.

Diesen Anspruch an die Solidargemeinschaft jedoch verliert jedoch der alte Mensch mit dem Eintritt der Bedürftigkeit, jeder Bedürftigkeit.
In unserer Gesellschaft, einer parlamentarischen Demokratie mit unveräußerlichen Grundrechten, wie z. B. die Würde jedes einzelnen Menschen sei unantastbar , ignorieren und verweigern böswillig oder aus Arroganz, die gewählten Vertreter des Volkes deren elementare Rechte. Sie befinden sich in guter Gesellschaft der Spitzenverdiener mit adäquatem Grund- und Kapitalvermögen, einer lebenslang konstanten Vermögensstrategie und den Diener des Staates, der Beamtenschaft. Dieses asoziale Tribunal, das sich nach menschlichem Ermessen nie Gedanken über das Auskommen mit ihren Ruhestandsbezügen machen muss, debattiert und entscheidet nun über die Höhe der Altersvorsorge von Millionen Rentnern mittleren und kleineren Einkommens. Sie entscheiden damit direkt über die Würde des größten Teils der Bevölkerung. Sie entscheiden dies seit Jahrzehnten immer zuungunsten der Ruheständler, mit dem langatmigen, stereotypen Argument einer fehlenden Finanzierbarkeit. In ihrer charakterlichen Perversität treiben diese Totengräber jeder noch latent vorhandenen Veranlagung möglicher Solidarisierung innerhalb der Gemeinschaft, noch einen Keil zwischen diese Einkommensgruppen und verweigern der schwächsten, die Anpassung auf ein Minimalniveau mit allerlei dubiosen Begründungen. Ein Akt, den die nachfolgenden, besser gestellten Habenichtse, auf der Leiter der monetären Hierarchie, gerne zur Kenntnis nehmen. Die Erkenntnis, dass es Teilen der Gesellschaft noch schlechter geht, diese in dem materiell, ökonomischen Wertesystem einen Rang tiefer stehen, ist doch Balsam für die Seelen aller Kleingeister. Zumal, ob ausgesprochen oder verborgen in ihrem schlichten Denken, diese verkrachten Existenzen selbstverständlich die Schuld bei sich selbst zu suchen haben. Ein selten einfältiges Denkmodell, doch mit gesellschaftskonformer Relevanz. Zugeschnitten für eine angsterfüllte, Intellekt reduzierte Gesellschaft , unfähig über den Tellerrand ihres momentanen Befindens zu blicken, devot dankbar für alle milden Gaben, kümmerliche Reste perverser Verteilungsstrategien der herrschenden Kapital und Politik Imperien.
Für die Qualität einer Gesellschaft hat dies katastrophale Folgen, denn für dieses Gebilde gilt primär folgende Maxime: Eine Gesellschaft ist nur so viel wert, wie die schwächsten ihrer Mitglieder dieser Gesellschaft wert sind.
Es würde nicht all zu viel Intellekt erfordern, von allen Gesellschaftsschichten, dies als allen nützliche Erkenntnis zu verifizieren. Doch eine Herde Tiere, mehr Wert stehen sich die Menschen selbst nicht mehr zu, bleibt was sie ist und vorstellt, eine Herde willenloser Kreaturen. Kreaturen, die jeden Weg gehen, der ihnen vorgegeben wird. Ein „tierisch“ gangbarer Weg, nur, dass der Hirte kein „guter Hirte“ , sondern ein charakterloses „Abstraktum“ namens Kapital ist, dem zunehmend die Menschheit ihr Heil anvertraut. Es ist zu befürchten, dass dieser Weg zu keinem guten Ende führt.

Klaus Schneider Februar 2019

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